Der Goldfasan - klein, aber fein

Heute möchte ich mit dem Gedicht  von Konrad Pfeffel beginnen:

Es war einst eine Hungersnot im Tierreich; alle schrie nach Brot.

Ein Goldfasan schlich matt und schwer und ächzend durch den Hain daher.

Ihm sah ein Specht von Ferne zu und sagte: „Freund, was ächzest du? Verkaufe nur dein reiches Kleid, so hast du Brot auf lange Zeit.“

Dem Goldfasan gefiel der Rat; er setzte seinen ganzen Staat bei einem alten Hamster ab, der ihm dafür viel Körner gab.

Nun pflegt er sich bei Fürstenkost; doch plötzlich kam der Winterfrost, und plötzlich war der arme Narr am nackten Leibe blau und starr.

„O weh mir“, sprach er nun zum Specht, „mein guter Freund. Dein Rat war schlecht! Ich weiß, man stirbt aus Hungersnot;

doch, wer erfriert, ist gleichfalls tot.“ 

Der Goldfasan

Auch dieses wunderschöne, farbenprächtige Exemplar hat seine ursprüngliche Heimat im fernen China. Im alten China kennzeichnete der Goldfasan als Insigne eine Kaiserin und bei den Zivilbeamten bezeichnete er als Abzeichen eine bestimmte Rangstufe. Allgemein galt der Fasan als Symbol für Wohlstand, Glück und Schönheit.

Dieses symbolträchtige Geflügel wohnt auch bei  uns.  Mit seinen drei Hennen lebt der Goldfasan in einem eigenen, separaten Bereich. Unser farbenprächtiges Kerlchen hat natürlich auch einen Namen, wie alle Tiere.

Zur Zeit sieht unser «Lord Helmchen» ein bisschen anders als auf den gängigen Darstellungen aus. Ziemlich zerzaust. Seine wunderschönen langen Stoßfedern hat er schon komplett abgeworfen. Seine, im Frühjahr, total leuchtenden Farben sind ziemlich blass geworden. Das hindert den jungen Mann jedoch nicht daran, seine Mädels weiter zu umtanzen, anzufauchen, einzukreisen, wie auch immer.

Anfangs hatte ich Bedenken, ein solches Exemplar mitsamt Hennen zu uns zu holen. Vorher hatte ich mich im Internet ausführlich informiert, und wie auch immer, es steht viel geschrieben – auch viel Unsinn.

Ich ging davon aus, dass ein Goldfasan wirklich ein Goldfasan ist, doch nun las ich, dass die meisten dieser in Deutschland erhältlichen Exemplare «Hybriden» sind. Nee, sowas wollen wir bei unseren Hühnerrassen nicht, warum bei den Fasanen damit anfangen? Wobei ich mir auch hier die Frage stellte, warum es überhaupt Hybriden gibt. Goldfasane sind im Gegensatz zum Jagdfasan oder Königsfasan reine Liebhabertiere ohne jeden wirtschaftlichen Nutzen. Und auch zum Thema Hybriden und Fasan wurde ich fündig.

Anders als bei Hühnern spricht man bei dem Goldfasan von Hybriden, wenn mit dem verwandten Lady-Amherst-Fasan (Chrysolophus amherstiae) verpaart wurde. Diese entsprechen in den Hauptmerkmalen keinem der beiden Ausgangsarten und sind leider durch Rückkreuzungen den Urprungstieren wieder recht ähnlich und von dem Laien nur schwer zu identifizieren. Soviel zur wissenschaftlichen Erklärung, schön sind sie trotzdem, die Hybriden! Wer beide Arten kennt, sieht den Unterschied.

Der Goldfasan ist wohl eine der bekanntesten Fasanenarten. Er besticht durch seine intensiven, warmen Farben und durch seinen Kragen, den er immer wieder, ganz besonders in der Balzzeit, fächerförmig aufstellt. Dieses Aufstellen des Halskragens, verbunden mit dem Halbkreis, mit dem er die Fasanenhenne einkreist und dann auch noch das Fauchen ist ein besonderes Schauspiel.

Wen wundert es, dass bei uns vor diesem Gehege eine gemütliche Parkbank steht. Ich liebe es, diesen kleinen Hektiker zu beobachten. Hyperaktiv trifft es bei ihm, ein Wunder, das er gut im Futter steht. Bei soviel S.. müsste das Kerlchen klapperdürr sein. Zurück zur Arterhaltung des Goldfasans. Erfreulicherweise wurde vor einigen Jahren ein Projekt der Aviornis International gegründet, das sich mit dem Erhalt des artenreinen Goldfasans beschäftigt. Als Ausgangsbasis dienten Goldfasane aus Importen, die nachweislich artenrein waren. Zur Identifikation dieser Exemplare, werden die Nachzuchten mit einem speziellen Ring beringt, deshalb auch die Bezeichnung «5000er-Goldfasane». Aus diesem Projekt entstammt auch unserer Lord Helmchen.

Dazu gehört auch, dass die Anschaffung solcher Tiere ein wenig teurer als die der Hybriden bzw. der nicht artenreinen Tiere ist. Gerade heute habe ich mir einige Anzeigen angesehen, in denen Goldfasane ( 1.0) aus 2020 für 15 Euro und Hennen (0.1) für 20 Euro angeboten werden. Wenn man Wert auf wirkliche echte Farbenpracht legt, bezahlt man die höheren Preise. Diese Goldfasane haben ein ganz anderes Farbbild. Sie strahlen regelrecht durch ihre klare Gefiederfärbung und den orangenen Läufen, die man sonst bei vielen «Goldfasanen» kaum zu sehen bekommt.

Nun ist es bereits Ende Juni und von unseren 15 geschlüpften Miniaturen sind noch 11 übrig geblieben. Trotz sorgfältiger Ernährung und Pflege sind drei von ihnen einfach tot umgefallen. Das vierte mussten wir erlösen, weil es (m/w/d oder wie auch immer) die Beine derart schief eingehängt hatte, dass es ab der 3. Woche gar nicht mehr laufen konnte. Die Verbleibenden haben sich prächtig entwickelt und ich übe mich noch darin, Weiblein und Männlein zu unterscheiden. Alle werden wohl nicht hierbleiben können, weil dann das Gehege einschließlich Haus für diese Menge zu klein werden wird.

Man muss wissen, dass diese kleinen Fasanen tatsächlich 100 cm (also mit dem tollen langen Stoß) werden – und das bei einem Gewicht von ungefähr siebenhundert Gramm. Diese wunderschönen Stoßfedern sehen herrlich aus, man kann tolle Dekorationen mit ihnen zaubern. Auch bei Karnevalisten und Jägern sind diese Federn heiß begehrt.

Unsere Goldfasanen lieben ihr Gehege mit vielen Ästen in verschiedenen Höhen, kleinen Höhlen aus Zweigen und dem teilweise sandigen Boden. Noch mehr lieben sie mein mühsam aufgepäppeltes Bambus, die Gräser und auch die kleinen Thujas. Gegen den Kahlfraß, den die kleinen Halunken gerne anrichten, hilft nur schützender Draht. Zumindest so lange, bis das Grünzeug groß und widerstandsfähig ist, dass auch kleine Goldfasanenschnäbel und -füße nichts mehr kaputt machen können.

Und nun warte ich geduldig ab, bis meine Younster-Fasanen-Gang ihre Heuschreckenmarotten ablegt und vernünftig mit dem Fressen beginnt. Momentan vertilgen die Delikatessen so, als ob es kein Morgen mehr geben würde.

Die nächsten tierischen Informationen kommen wieder in der ersten Juliwoche,

bis dahin, genießt den Sommer, genießt eure tierischen Freunde

Eure Mary

Hass tötet

Hass tötet, Liebe bleibt

Der Titel lässt es schon erahnen. Ein treuer Wegbegleiter, ein guter Freund, ein Hund, der noch nie jemandem auch nur irgendetwas etwas zuleide getan hat, musste sinnlos sterben. 

An dieser Stelle der Abschiedsbrief für Fintan, von seiner sehr traurigen Menschenfreundin, Gabriela-Alexandra Scharff.

Mir bleibt an dieser Stelle nur zu sagen: "Fintan, ich hoffe du hattest bisher eine gute Reise auf dem Weg ins Licht, bist gut über die Regenbogenbrücke gekommen und schaust mit einem Lächeln im Gesicht zu deiner Alex runter."

Abschiedsbrief Für meinen Freund Fintan

Ich muss loslassen, bevor der Schmerz mich in die Knie zwingt.

Mein alter Freund, warum musstest du so qualvoll von uns gehen?

Mein Herz schmerzt, meine Augen sind voller Tränen.

Ich hörte dich weinen in der Nacht und habe mich zu dir gesetzt.

Du hast es nicht geschafft.

Du, der mich beschützt hast, mich getröstet hat, wenn ich traurig war, der, über den wir oft lachen mussten, der der immer an der Haustür auf meine Rückkehr gewartet hat.

Für uns warst du nicht nur ein Hund, du warst ein Freund, ein Familienmitglied. Du warst immer loyal und ehrlich. Noch immer höre ich deinen Atem und meine dein Korb knackt.

Dich, fast weißer Hund im eigenen Blut ertränkt. Es ist die Grausamkeit von einigen Menschen, die dich so leiden ließ. Vergiftet, mit dem Gift der Unmenschlichkeit, die mich erdrückt und erschauern lässt. In der Nacht blicke ich nach oben und suche den Stern, von dem du mir zuwinkst.

Ich suche deine Seele, bist du ein Teil der Libelle, die um mich schwirrt? Bist du der kleine Vogel, der für mich singt? Ist es der Wind, der deinen vertrauten Geruch zu mir bringt?

Ich fürchte nicht den Tod, der Ruhe und Frieden bringt. Ich lasse los, damit du in Stille deine Reise beginnst. 14 Jahre mein treuer, ständiger Begleiter, ich vermisse dich. Bis zu dieser Nacht zeigtest du Kampfgeist und Lebensmut. Dein Gesicht war klar und deine Augen voller Liebe. Am Morgen sah ich den Schmerz in deinen Augen und du verlorst den Lebensmut.

Hab eine gute Reise Deine Menschenfreundin Gabriela-Alexandra

Dein letzter Winter

Mandarinerpel im Prachtkleid

Familie Mandarin hat Nachwuchs (11.06.2021)

Rolf, der kleine, schöne bunte Mandarinmann beobachtete bereits seit Tagen mit skeptischen Blicken den ausgehöhlten Baumstamm. In diesem Baumstamm war seine Frau Rosa schon seit 30 Tagen und brütete. Langsam sollte doch der Nachwuchs kommen...

So beginnt ein neues Kapitel des demnächst erscheinenden Buches "Tierisches Vergnügen auf Omas Bauernhof" von Gabriela-Alexandra Scharff und mir, das ganze mit tierisch guten Illustrationen von Deike Buller.

Doch hier im Blog möchte ich etwas über die Mandarinenten im allgemeinen erzählen

Die Enten haben, wie mir’s scheint, so viel Talente schön vereint

Die so viel bei den Kindern gelten - Sie leben echt in drei der Welten!

Im Wasser sind sie meist zuhaus, da gründeln sie nach manchem Schmaus

Zudem sind sie auch schnelle Flieger - mit einem herrlichen Gefieder 

Zu Lande tun sie gerne grasen - und das in allen Lebensphasen

Sie sind ganz exzellente Schwimmer - Sie futtern alles, finden immer Insekten, Würmer, Wasserpflanzen und sind wohl so im großen Ganzen sehr eins mit sich und mit der Welt

Ihr Wesen ist’s, was uns gefällt und Herzen leicht erobern kann

Ihr Quaken ist zwar kein Gesang, ihr Watschelgang nicht elegant, doch ist es allen wohlbekannt

(Gedichttext: Jürgen Wagner)

Mandarinente 

«Eigentlich» wollte ich heute ein ganz anderes Tier vorstellen, doch wie das Leben so spielt, wurde es dann doch die Mandarinente. Unser Mädel hat mehr als 30 Tage in ihrem Baumstumpf ausgeharrt und Freitag morgen durften wir uns an dem herrlichen Anblick von sieben Mandarinentenküken erfreuen. Ich werde bei einem solchen Bild immer ganz still und bewundere die Natur. Wir Menschen werden geboren und können nichts. Fast alle Tiere vollbringen in den ersten Stunden ihres Daseins schon wahre Höchstleistungen. So auch die Mandarinenten. Kaum aus dem Ei gefallen, müssen sie eine Höhe von gut 30 Zentimetern überwinden, um an den Ausgang des Nestes zu gelangen. Dort angekommen, heißt es mutig sein und ins Unbekannte springen (aus großer Höhe). Vom Boden aus geht es schnurstracks ins Wasser. Ihr geringes Gewicht und die biegsamen Knochen schützen sie vor Verletzungen bei dem Sturz aus luftiger Höhe.

Mutter Mandarin sitzt am liebsten in einem ausgehöhlten Baumstamm in ziemlich großer Höhe. Bei uns hatte sie sich für einen ziemlich erdnahen Baumstumpf entschieden. Mutter brütet so gute 30 Tage, während dieser Zeit bewacht Vater Mandarin wirklich als Security Ente das Gelege. Wehe eine Ratte nähert sich dem Nest, sie wird verjagt, und wenn sie sich nicht verjagen lassen will, hat der Herr Mandarin keinerlei Skrupel, seine Krallen einzusetzen und den Feind, der seine Familie bedroht, zu töten.

Den Ursprung dieser scheuen, bunten Enten findet man in China, eventuell auch Japan und dem Amurgebiet. Mit einer Körperlänge von ca. 40 cm und ca 500 g Körpergewicht sind sie relativ klein. Zu Zeiten der chinesischen Kaiserdynastien waren die Mandarinenten überdies das Symbol für den siebten Rang der Zivilbeamten, der so genannten „Mandarine“. Ihnen verdankt die Ente auch ihren Namen, weil ihr farbenfrohes Federkleid  an die Gewänder dieser chinesischen Staatsdiener erinnert. 1745 kam die Rasse nach Europa. Wegen ihrer prächtigen Färbung fanden die Tiere schnell Anhänger und wurden als Ziergeflügel gehalten. Erst 1834 gelang in Europa die erste erfolgreiche Brut. Sieht man hier in Europa freilebende Mandarinenten, kann man davon ausgehen, dass sie aus der Gefangenschaft geflüchtet sind. Mittlerweile sieht man sie an vielen Teichen. Die Haltung an sich ist unproblematisch. Mandarinenten sind ziemlich anspruchslos, verträglich und vertragen auch kältere Tage. Schnee und Frost machen ihnen nichts oder sehr wenig aus.

Allerdings sind diese Enten auch sehr scheu. In den ganzen Jahren ist es uns nicht gelungen, diese Entenart trotz bester Pflege und intensiven Verwöhnens (Garnelen, Mehlwürmer etc.) auch nur annähernd zahm zu kriegen. Mandarinenten sind Wildtiere, die als reine Zierenten gehalten werden, Kuscheltiere sind sie nicht. Sie sind exzellente Flieger, die ihre Freiheit lieben und am liebsten in Bäumen brüten.

Im Frühling trägt der Erpel sein Prachtkleid, dann ist diese Entenart einfach  unverwechselbar. Das Gefieder der «normalen» Mandarinente leuchtet in den tollsten Farben, wie sie nur die Natur hervorbringen kann. Im Gefieder findet sich ein leuchtendes Rot, ein schillerndes Grün, dazwischen schimmert es in orange, blau und beige. Nach der Balzzeit wechselt der Entenmann seine Kleidung und vertauscht Prachtkleid gegen Schlichtkleid. Dann sieht er fast aus wie die Ente, und nur derjenige, der seine Tiere kennt, weiß Ente und Erpel zu unterscheiden.

Diese Enten sind auch nur glücklich und zufrieden, wenn sie einen Teich oder Bachlauf haben, da sie zur Gattung der Schwimmenten gehören. Lang schon ist die Mandarinente kein Fremdling oder Eindringling mehr hier bei uns. Sie zählt tatsächlich zur einheimischen Fauna, da die Tiere keinen Schaden anrichten. Leider, wie bei so vielen Tieren im asiatischen Raum, ist auch die Mandarinente dort vom Aussterben bedroht.

Der Hahn - eher nützlich oder eher lästig?

Eines ist unbestritten, die Natur hat bei allem (na ja, fast allem), was sie hervorbringt, jeweils den männlichen und den weiblichen Aspekt. Und so gibt es nicht nur Hühner, sondern auch Hähne. Wobei immer noch die Frage kursiert: «Wer war zuerst, das Huhn oder das Ei?»

Wie es auch sei, mit dieser Frage haben sich schon wesentlich klügere Köpfe als ich beschäftigt, daher lasse ich diese Betrachtung außen vor. Seit «Corona» unser Leben mehr oder weniger (wobei ich hoffe, bald sehr viel weniger) beherrscht, hat die Zahl der Hühnerhalter drastisch zugenommen. In Städten und Gemeinden hört man aus den Gärten mittlerweile Gegackere und auch immer häufiger das typische Krähen. Und genau da ist einer der Knackpunkte. Manche Mitmenschen fühlen sich durch das Krähen der Hähne gestört. Zugegeben, morgens um 3 Uhr von einem Hahn geweckt zu werden, ist nicht unbedingt das ultimative Wohlfühlerlebnis. Doch morgens um 3 Uhr von vorbeifahrenden LKW’s geweckt zu werden?

Warum stören uns die Geräusche der Natur, aber nicht der Lärm der Motoren? Wir sind schon seltsam, wir Menschen. Es ist unschwer zu erkennen, ich lebe auf dem Lande. Schon als Kind bin ich mit den verschiedensten tierischen Geräuschen wach und groß geworden. Ein Hahn, der morgens um drei Uhr kräht, stört mich nicht wirklich. Warum? Weil es ein vertrautes Geräusch ist, ein Geräusch, das zu meinem Leben dazugehört. Ein LKW, der morgens um drei Uhr vorbei donnert, stört mich erheblich. Weil das ein Geräusch ist, das nicht in meine normale Geräuschkulisse passt.

Was ist eine normale Geräuschkulisse für mich? Das Krähen eines Hahns, das Gackern der Hühner, das Gepiepse der gefräßigen Spatzen, das Quaken eines Frosches. Das Schlagen der Kirchturmuhr, das morgendliche Läuten um 7 Uhr. Das Schlagen der Autotüren, wenn der Nachbar zur Arbeit fährt. Ich könnte diese Aufzählung noch beliebig erweitern. Heute geht es aber um den Hahn.

Und nun kommt das Thema Corona wieder ins Spiel. Durch die unfreiwillige Entschleunigung des Lebens in 2020 und auch in diesem Jahr kam bei vielen Menschen der Gedanke an ein Tier ins Spiel. Und da boten sich Hühner geradezu an. Zum einen wird «das Frühstück gekackt», zum anderen sind das auch noch schön anzusehende und zutrauliche Haustiere. Bei vielen Familien war klar, das ist das, was wir wollen. Und dann sah man die Hähne, herrlich, stolz, bunt, majestätisch. Manch einem schlug das Herz höher. Und ohne Nachbarn wäre die Entscheidung sofort für eine Truppe mit Hahn gefallen. Doch was werden die Nachbarn sagen, und dürfen wir überhaupt einen Hahn halten, was sagt das Ordnungsamt dazu, und überhaupt, braucht es einen Hahn, um glückliche Hühner zu halten?

Nachbarn sind meistens nett und drücken auch schon mal das eine oder andere Auge zu. Denn auch Nachbarn sind Menschen, die sich an alles gewöhnen können. Na ja, die meistens jedenfalls. Es gibt ja auch immer noch den Weg der Bestechung. Hier und da ein paar leckere, schmackhafte Eier im Gegenzug für Toleranz gegenüber dem Hahn – meistens klappt es. Tja, das ist auch alles eine Sache der persönlichen Einstellung, für mich gehört ein Hahn immer zur Hühnertruppe. Für andere eben nicht.

Und nun noch eine kurze Info „pro Hahn“ Wenn es irgendwie passt, sollte ein Hahn bei den Hühnern sein. Warum? Ein Hahn bringt sehr viel Ruhe in die Hühnerfamilie und ist für das Sozialleben äußerst förderlich. Er bewacht und beschützt seine Familie. Er gibt beispielsweise Warnlaute von sich, wenn von irgendwoher (seiner Meinung nach) Gefahr droht. Er schlichtet Streitigkeiten unter den Hennen (Hackordnung) und becirct seine Mädels mit leckerem Futter im Schnabel, das er ihnen dann wirklich zu Füßen legt. Ein junger Hahn kann das zwar schon alles, hat aber mitunter Schwierigkeiten, sich gegen die gleichaltrigen Hennen durchzusetzen. Er muß noch lernen, seine Fähigkeiten sicher zu beherrschen und die Mädels von sich und seinen Vorzügen zu überzeugen. Hähne und Hennen pflegen oftmals eine enge bis sehr enge Beziehung. So beobachten wir nicht selten, dass die Lieblingshenne des Hahns genau auch das Oberhaupt der Hennen ist. Wichtig für die Menschenfamilie ist es, dass ein Hahn sehr sozialisiert sein muss, er muss alle Menschen gleichermaßen respektieren und darf niemals aggressiv gegenüber den Menschen sein.

(Die Idee mit den Gedichten habe ich mir von Gabriela-Alexandra Scharff "ausgeliehen")

Huhn und Fuchs

Du willst mir in den Rücken fallen, kreischt eine Henne Richtung Fuchs.

Ich werde dich mit Füßen krallen. Du spürst sofort, das ist kein Jux.

Ich klopfe keine dummen Sprüche, und nehme dich aufs Weizenkorn.

Denn jeder kommt dir auf die Schliche.

Es tobt die Wut. Es raucht mein Zorn.

Viel früher kam mit dir der Schrecken.

Das hat sich heute überholt.

Jetzt wird mit einem Bambus-Stecken dein weiches Hinterteil versohlt.

Nimm dich in acht, sonst musst du leiden. Gerüstet ist der Hühnerstall.

Man wird sich gegen dich entscheiden. Und man bestraft den Überfall.

© Roman Herberth, 2011