Abschied von einem Freund

PERCHERONS – so groß, so sanft

Heute ist für mich ein sehr trauriger Tag, wir mussten unser Kerlchen mit gerade mal 6 Jahren über die Regenbogenbrücke gehen lassen. Indem ich euch das schildere, ist das Teil meiner Trauerbewältigung. In unserem demnächst erscheinenden Buch gibt es mehrere Kapitel, in denen Louis entweder die Hauptrolle spielt oder auch schon mal als Nebenschauspieler auffällt.

Ich schildere kurz den Werdegang. Wir haben immer eine kleine Pferdeherde gehabt – und immer waren es die Dicken. Angefangen vor vielen Jahren mit den Ardennern, die entweder zu alt oder zu krank für die Arbeit im Wald waren. Wann immer ein Anruf aus der Eifel kam, wir haben das Pferd geholt. Manche waren nur kurz bei uns, andere wiederum viele Jahre. Als Ende 2017 unser letzter Belgier eingeschläfert werden musste, standen wir vor der Entscheidung, die beiden verbleibenden Stuten allein laufen zu lassen oder noch einmal ein Pferd aufzunehmen. Der Traum meines Bruders war schon seit Kindheit ein Rappe, groß, prächtig, ein richtiges Kutschpferd. So machte er sich diesmal auf die Suche nach seinem Traumpferd und wurde ausgerechnet in der Eifel fündig. Allerdings waren es zwei Pferdekinder, die zusammenbleiben wollten. Gleich alt, in etwa gleich groß, beide stammten von französischen Gestüten und beide waren seit Anfang 2016 in Deutschland.

So lag es nahe, beide Jungs zu kaufen, denn vor unserer Kutsche wäre auch Platz für beide gewesen. Somit hielten die Franzosen im Februar 2018 Einzug bei uns. Im April wurden sie 3 Jahre alt, wie gesagt Kinder. Anfangs gab es ein paar Reibereien mit Lena, unserer Grand Dame, die wollte solche Jungspunde nicht so ohne weiteres akzeptieren. Schließlich war sie seit ihrer Geburt mit dem Herdenchef, der im Dezember verstorben war, zeitlebens zusammen gewesen. Sie hatte erlebt, wie er die anfänglich große Herde sicher und ruhig geführt hatte. Das kleine Haflingermädchen, hatte von Anfang an Angst vor den Riesen und zickte nur noch fürchterlich rum. Solange, bis unser kundiger Pferdetrainer einen Traumplatz für sie gefunden hatte. Dort war sie nun gar nicht mehr zickig, zum einen fand sie einen netten Ponyhengst, der ihr auf Anhieb gefiel, zum anderen eine menschliche Freundin, die sie sofort respektierte und der sie vertraute.

Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase wuchs unsere kleine Gruppe der drei Pferde zusammen. Unumstrittener Chef war unser Louis. Auch er fand in seine Aufgabe hinein. Allerdings, wie Kinder nun mal so sind, führte er die beiden anderen auch schon mal von einem Unsinn zum anderen. Auf jeden Fall war es immer eine Freude, diese prächtigen Tiere zu beobachten, sei es beim Spielen, beim Toben oder bei der Bodenarbeit.

Gerade als wir begannen Louis aufs Reiten vorzubereiten, kam der Paukenschlag. Ich kam morgens auf die Wiese und sah, dass mit ihm was nicht stimmte. Kopf unten, Schlauch raus und sehr sehr unsichere Bewegungen. Der Gedanke «Schlaganfall» schoss mir durch den Kopf. Als der Tierarzt sich ihn genauer anschaute, wollte er meine Diagnosevermutung natürlich nicht direkt bestätigen. Schließlich habe ich keine veterinären Vorkenntnisse – nur meine Beobachtungsgabe. Das Blutbild ergab nicht wirklich was, womit man arbeiten konnte. Vorsichtshalber bekam er eine Cortisoninjektion, denn es hätte ja auch eine Verletzung des Radialnerves sein können. Als nach einer Woche immer noch keine Besserung in Sicht war, beschlossen wir (gemeinsam mit dem Tierarzt) ihn in eine Tierklinik zu bringen. Ich hatte alle Beobachtungen aufgeschrieben, sogar mit Datum und auch darum gebeten, unseren Tierarzt zu kontaktieren.

Nach drei Tagen Klinik kam der Anruf, dass wir ihn abholen könnten, er sei nicht auffällig. Als die Nachricht mich erreichte, habe ich mit dem Kopf geschüttelt und konnte die Welt nicht verstehen. Doch noch bevor ich dort anrufen konnte, kam wiederum der Anruf von dort. Er solle noch dableiben, ihnen sei jetzt aufgefallen, dass er eine Gangataxi usw. hätte. Ich habe nicht viel dazu gesagt, doch das stand alles in seinem Begleitbrief, auch hatte ich den Verdacht auf einen Gehirnschlag geäußert. Wie auch immer, nach 8 Tagen war er wieder zu Hause – ohne Befund, dafür mit Rechnung und Coronatest!

Gemeinsam mit unserem pferdekundigen Tierarzt haben wir ihn engmaschig überwacht. Es zeigten sich leichte Verbesserungen, der Kopf ging nach oben, er fraß gut, der Schlauch war wesentlicher weniger draußen. Er bekam Aufbaumittel, auch Vitamin B. Der Tierarzt sagte uns in dieser Zeit, wir sollten den Sommer abwarten. Gar kein Problem, wir hatten auch schon Pläne für die Herbst-Winterzeit, wir wollten ihm das Leben, so gut es ging, erleichtern. Einzig und allein für den Fall, dass er nicht mehr allein aufstehen könne, müssten wir uns auf Euthanasie einstellen.

Ok, das war dann leider heute Morgen der Fall. Es war sehr traurig, sehr berührend, er wusste auch, was kommen würde. Alle seine menschlichen Freunde waren bei ihm, sogar unsere Nachbarin.

Zum Abschluss möchte ich noch etwas Berührendes erzählen: Er lag auf der Wiese, so dass die beiden anderen sich von ihm verabschieden konnten. Danach haben wir diese Wiese gesperrt und das Unabwendbare eingeleitet. Ich war die ganze Zeit draußen und merkte, dass sein Kumpel Leo von Minute zu Minute nervöser wurde. Aufgeregt sauste er am Zaun entlang und auf einmal hat ihn auch der Strom nicht interessiert. Er ist einfach in vollem Galopp dadurch gegangen. Kurz vor Louis bremste er ab, schnüffelte und kratzte mit dem Huf. Dann hob er den Kopf weit hoch in die Luft und hat geflehmt.

In der gleichen Minute hielt der LKW, der Louis abholte, vor dem Tor. Ich bin felsenfest davon überzeugt, Leo wusste, dass jetzt, und zwar genau jetzt, der Moment gekommen war, in dem er von seinem Freund Louis noch einmal Abschied nehmen konnte.

So weh es tut, ich denke, für Louis war es die beste und humanste Entscheidung. Ich denke auch, dass die meisten von uns, auch schon vor so einer Entscheidung gestanden haben. Trotzdem, es tut trotz allem verdammt weh.

Und ich bin froh, dass ich in seinen letzten Minuten bei ihm auf der Wiese gesessen habe. Und ihn zusammen mit seiner besten Menschenfreundin so lange gestreichelt haben, bis wir spürten, dass das Leben sich verabschiedet hatte. Ich bin dankbar, dass mich dieses seelenvolle Pferd 3 Jahre lang begleitet hat.

In der nächsten Zeit werde ich eine lustige Geschichte mit ihm vorstellen, doch jetzt ist für mich leider nicht der richtige Zeitpunkt.

Alles Liebe, bis zur nächsten Woche Eure Mary

Naturkatastrophe - Positive menschliche Nebeneffekte

Normalerweise lest ihr hier an dieser Stelle ein paar Neuigkeiten und/oder Informationen über unsere Tiere. Heute jedoch ist mir ein Anliegen, über die Katastrophe in unserem Land zu schreiben. Aus der ganzen Republik erreichen mich viele Anfragen, ob es uns hier gut geht. Immerhin liegen wir im betroffenen Gebiet. Ja, dem Himmel sei es gedankt, uns geht es gut, wir waren nicht betroffen und werden vermutlich auch nicht betroffen werden. Warum das so ist? Die Flüsse und Flüsschen sind alle mit einem bisschen Abstand zu uns.

Im nur 5 km entfernten Rhein-Erft-Kreis (Bedburg, Bergheim, Erftstadt)  kämpfen die Menschen gegen die Wasserfluten der Erft. Im angrenzenden Kreis Heinsberg, der ja durch die Corona Krise bekannt geworden ist, kämpfen die Menschen gegen die Wassermassen der Rur. Und überall dort, wohnen Menschen, die wir gut kennen. 

Irgendwie komme ich mir hier gerade vor wie auf einer Insel. Unsere Tiere waten zwar im Schlamm, sehen ein bisschen ungepflegt aus, doch das ist es auch schon. Anfangs habe ich immer bedauert, dass hier so gar kein idyllisches Flüsschen oder Bächlein vorbeifließt. Doch nun ist es genau das, dass uns hier auf dem Hof Aufatmen lässt.

Unsere Freunde und Bekannten in der Eifel und RLP sind bisher alle glimpflich davon gekommen. Die Bilder, die wir bekommen haben, zeigen allerdings schon ein paar heftige Szenen. Und wenn man dann noch die örtlichen und baulichen Gegebenheiten kennt, erschreckt man sich. So zum Beispiel in der Nähe von Mechernich. Ein Freund von uns hat dort in einem kleinen Eifeldorf seinen Restbauernhof. Zwei Meter unterhalb seines Anwesens ist ein Wäldchen, das von einem Bach, eher noch Rinnsal, durchflossen wird. Sein Hof mit den Stallungen steht eben, dahinter beginnt die Hanglage. Von dem Bach bis zu Gehöft sind es gute 20 m mit einem Höhenunterschied von ca. 2 m. Das gesamte Gehöft war überschwemmt, seine Hühner haben sich auf die Stangen gerettet, während ein reißender Bach durch die Ställe schoss. Bei ihm gab es weder Verletzte noch Tote. Seine Aussage: «Glück gehabt, nur ein paar Stunden Arbeit zum Schlammentfernen nötig.»

Das sieht in weiten Teilen unseres Landes anders aus. Heute beklagen wir schon über 130 tote Menschen, von den Tieren spricht niemand. Es ist tragisch, sogar sehr tragisch. Eigentlich unfassbar, unbegreiflich. Es herrschen entsetzliche Zustände.

Doch in diesem ganzen Elend ist die Hilfsbereitschaft unter den Menschen sehr sehr groß. Gerade in der Eifel haben eine Menge Menschen noch kleine Höfe, verdienen sich ein paar Euros durch den Verkauf landwirtschaftlicher Produkte dazu. Oder haben einen Teil ihrer Anwesen umgebaut und vermieten in der Feriensaison an Touristen. Es ist auch so, dass gerade in diesem Gebiet viele Tiere gehalten werden. Und durch die Hilfsbereitschaft der Menschen konnten auch viele dieser Tiere gerettet werden. Manche schütteln den Kopf, wenn sie im Fernsehen sehen, wie Menschen sich durch Schlamm und Wasser kämpfen, um zu Pferden, Kühen und anderen Tieren zu gelangen. Ich schüttle nicht den Kopf, ich zolle diesen Menschen meinen allergrößten Respekt. Es sind unsere Tiere, und die verdienen jede Chance gerettet zu werden. Und genauso großen Respekt zolle ich denjenigen, die Unterkünfte und Futter für die geretteten Tiere bereitstellen. Genau das ist es doch, was unser Zusammenleben ausmacht. Das Miteinander, die Hilfsbereitschaft, die Spontanität.

Die Bauern, die jetzt mit ihren Treckern und Wasserfässern unterwegs zu den Orten sind, die keine Trinkwasserversorgung mehr haben. Die Bundeswehr und das THW, die mit schwerem Gerät mit dem Aufräumen beginnen. Die Feuerwehren, und hier insbesondere die freiwilligen Feuerwehren, die auch am Limit angekommen sind. Die Nachbarn, die zwar alles verloren haben, aber dennoch den anderen helfen, das zu retten, was noch zu retten ist. Da bleibt nur zu sagen, Chapeau und danke!

So schlimm alles ist, so ist dennoch erkennbar, dass in Zeiten von Technologie, sozialer Distanz und Corona die Menschen wieder zu sozialen und empathischen Wesen werden. Egoismus und diese Dinge haben jetzt wenig Platz in unserem Leben. Den wenigen sensationslüsternen Menschen, den sogenannten «Katastrophen-Touristen» sollte irgendwann auch ein Licht aufgehen, da sage ich aus tiefster Überzeugung «Karma findet euch!»

Nun hoffe ich für uns alle, ob im Rheinland, der Eifel, in Rheinland-Pfalz oder sonst wo in Deutschland, dass diese völlig unerwartete Katastrophe uns ein bisschen zurückholt. Zurückholt in eine Welt, in der Rücksichtnahme auf Mensch, Tier und Natur Vorrang hat vor Geld. Zurückholt in eine Welt, in der die Nachbarn die anderen Nachbarn kennen. Zurückholt in eine Welt, in der Mitgefühl und Empathie an Stelle von Interesselosigkeit tritt. Zurückholt in eine Welt, in der nicht nur der äußere Schein zählt.

Für die jüngeren unter den Lesern ist möglicherweise vieles, was ich hier geschrieben habe, nicht ganz so verständlich. Das kann durch Gespräche vermittelt werden. Ich persönlich gehe mit jungen Menschen gerne um, wir unterhalten uns sehr viel. So haben wir die Chance, durch gute und offene Gespräche viele Generationenkonflikte zu überwinden.

Mein Appell ist der: «Lasst uns so, wie wir in dieser Notsituationen miteinander umgehen, auch wieder im normalen Leben miteinander umgehen!»

In unserer unmittelbaren Nachbarschaft sind bereits einige Notunterkünfte errichtet worden. Auch wir helfen wo und wie wir können. Bei Gabriela-Alexandra Scharff ist eine Sammelstelle für Alles, was helfen kann. Ob es Decken, Bettwäsche, Kosmetikartikel sind - wie auch immer - alles hilft. 

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein ruhiges Wochenende und eine gute Woche Eure Mary

Schwalbennest

Schwalben - Flugkünstler und Sommerboten

Es fliegen zwei Schwalben in Nachbar sein Haus,

sie fliegen bald hoch und bald nieder;

Aufs Jahr, da kommen sie wieder,

und suchen ihr voriges Haus.

Sie gehen jetzt fort ins neue Land,

und ziehen jetzt eilig hinüber;

Doch kommen sie wieder herüber,

das ist einem jeden bekannt.

Und kommen sie wieder zu uns zurück,

der Bauer geht ihnen entgegen;

Sie bringen ihm Vielmahl den Segen,

sie bringen ihm Wohlstand und Glück

(Achim von Arnim)

Auch diese Flugkünstler haben ein eigenes Kapitel in unserem demnächst erscheinenden Buch mit dem Arbeitstitel «Tierisches Vergnügen auf Omas Bauenhof»

Auszug: Schwalben gelten in unserer Kultur als Glücksbringer, daher freuten Oma Martha und Opa Erwin sich über jedes Schwalbenpaar, das hier in den Ställen ein Nest baute. Nur Tante Greta, die Mürrische, wusste das nicht zu würdigen. Endloses Gezeter und Gemeckere: «Schaut euch doch mal den Schmutz den die Schwalben verursachen, hier an. Was sollen denn die Leute denken? Die reden bestimmt schon über uns.»

 

Ja, Schwalben gelten tatsächlich als Glücksbringer, wir freuen uns über jede einzelne, die am Himmel zu sehen ist. Und noch einmal ja, sie verursachen ziemlich viel Schmutz. Erst heute habe ich einen Hauseingang gesehen, der ziemlich wild aussah. Die junge Frau, die dort saubermachte, lächelte dabei. Ich sagte ihr, dass sie den Schwalbenkindern im Nest sagen solle, sie haben gefälligst mit dem weiteren Kacken zu warten, bis sie ihre Arbeit fertig habe. Ich ahnte nicht, dass wir darüber richtig lachen würden. Sie hatte wirklich ihre Arbeit beendet, stand noch ein Weilchen da - und man mag es kaum glauben, da ging die wilde Kackerei wieder los. Sie trug es mit Fassung und meinte «Besser die Glücksbringer am Haus und dafür kurze Zeit viel Dreck - als umgekehrt.»  Für mich eine sehr lobenswerte Betrachtungsweise, obwohl man mit einem Kotbrett viel Schmutz vermeiden könnte.

Bei uns auf dem Hof ist es so, wir haben 4 aktive Nester der Rauchschwalben. Während der Brutzeit bleibt das Tor zum Lagerraum und der Werkstatt offen, so dass unsere kleinen Flugkünstler jederzeit raus und rein fliegen können. Und heute haben wir auch  Post vom NABU erhalten, wir werden höchstwahrscheinlich die Plakette «Schwalbenfreundliches Haus» bekommen.

Sowohl die Mehl- als auch die Rauchschwalben stehen auf der Roten Liste. Somit sollte jeder, wirklich jeder, der die Möglichkeit hat, Nistplätze zu schaffen bzw. anzubieten, dies auch schnellstens tun. Und es ist in meinen Augen jammerschade, dass die Kinder heute Schwalben oft nur noch aus Liedern oder Geschichten kennen.

Die Ursache für das Aussterben dieser wunderschönen Vögel liegt auch in unserer sogenannten Urbanisierung. Zahlreiche Plätze werden versiegelt. Dazu kommt die intensive Landwirtschaft, die den Schwalben viel wegnimmt. Und dann leider auch die zunehmenden Hygieneanforderungen. Gerade Letzteres ist in meinen Augen vermeidbar. Was nutzen mir klinisch saubere Gebäude und Straßen, wenn es darin kein Leben mehr gibt?

Bei uns brüten die Rauchschwalben, in manchen Jahren haben wir sogar 3 Bruten pro Paar erlebt. Im Gegensatz zu anderen Vögeln bauen sie nicht ständig neue Nester. Sie reparieren die Vorhandenen, kleben und zupfen, solange, bis das neue Heim für den Nachwuchs wieder passt. Gerne nutzen sie zur Reparatur auch Pferdehaare. Ich habe schon oft sehen können, das Schwalben alles genau beobachten. So z.B. auch, wann Pferde geputzt werden. Sobald die ersten Haare auf dem Boden liegen, kommt eine Abteilung Schwalben im Sturzflug runter, nimmt während des Vorbeifliegens ein paar Pferdehaare in den Schnabel und dann geht es ab. Scheu vor uns oder den anderen Tieren kennen sie nicht.

Hier bei uns ist irgendwie ein kleines Paradies, wo Tiere mit anderen Augen betrachtet werden. Es ist ein Vierkanthof im Rheinland, der zwar auch dem neuesten Stand der Technik entspricht, jedoch sehr vielen Tieren ein artgerechtes Leben möglich macht.

Wir haben in diesem Sinne keine Viehwirtschaft, wie auf vielen noch verbliebenen Höfen. Leider herrscht auf diesen Höfen das Prinzip einer auf Ertrag optimierten Viehhaltung. Nur so geht es? Und dann gibt es dort Auflagen über Auflagen, übertriebene Hygienevorstellungen der örtlichen Behörden, also sind Schwalben unerwünscht.

Zum Glück für uns und die Schwalben gibt es Reiterhöfe, wo Schwalben noch ein Zuhause finden. Ich zitiere hier noch einmal die letzten beiden Zeilen des Gedichtes von Achim von Arnim

Sie bringen ihm Vielmahl den Segen,

Sie bringen ihm Wohlstand und Glück

Ich glaube an das Glück, dass mir die Schwalben bringen, in diesem Sinne, habt alle ein schönes Wochenende

Eure Mary

Esel, liebenswerte Langohren

Ich bin der Merlin

Eine unserer Geschichten aus «Tierisches Vergnügen auf Omas Bauernhof» beginnt damit: Merlin: «Den Spruch, was für ein dummer Esel, könnt ihr sofort vergessen. Auf mich trifft der so gar nicht zu. Und stur bin ich auch nicht, man darf doch wohl mal seine eigene Meinung haben.» «Ich bin der schönste, klügste und liebste Esel, den jemals ein Mensch zu Gesicht bekommen hatte. Mein Name ist Merlin, schon mal was von Merlin, dem größten Zauberer der Welt gehört? Ich bin ein Zauberwesen, ein ganz bezaubernder Esel, ein entzückendes Kerlchen. Ach es gibt nicht genug Worte, um mich zu beschreiben. Ich bin einzigartig, jedoch nicht immer artig.»

Wenn jemand zu einem sagt «Du bist ein Esel» ist es von demjenigen, der es sagt, oft beleidigend oder abwertend gemeint. Doch diejenigen, die es sagen, sind die wirklich Dummen. Esel sind intelligent, sogar wesentlich intelligenter als Pferde und cleverer sowieso. Esel werden gemeinhin als dumm, stur, dickköpfig bezeichnet. So ein Quatsch, sie sind Equiden, gehören also neben Pferden und Zebras in diese Familie. Doch anders als Pferde sind sie keine Fluchttiere. Wo Pferde vor etwas Unbekannten scheuen und oft die Flucht ergreifen, bleiben Esel stehen und betrachten die Sache oder neue Situation sehr misstrauisch. Erst dann, wenn sie sich entschieden haben, dass es akzeptabel ist, gehen sie z.B. auf dem Weg weiter, klettern Hänge hinauf usw. Und wenn ich als Eselhalter ehrlich bin, sie entscheiden.

Nun gut, unsere Esel und ich, wir kennen und lieben uns. Außerdem sind es noch Kleinkinder, die noch nie etwas wirklich Böses erlebt haben. Gewiss gab es die eine oder andere prekäre Schrecksituation, doch das passiert Menschenkindern genauso. Mittlerweile vertrauen wir uns. Ich stehe oft hinter den beiden oder nur einem. Dann bitte ich jemand anderen, etwas zu machen, dass meine beiden Jungs erschrecken könnte. Warum ich hier von Vertrauen rede? Hinter oder neben einem Esel zu stehen bedeutet wirklich, dass Vertrauen vorhanden sein muss. Auch wenn unsere Eselchen klein und zart sind, ein Tritt aus nächster Nähe würde ganz schön weh tun. Und deren Vertrauen in mich äußert sich dadurch, dass sie mit neuen Situationen während meiner Anwesenheit nicht in Panik ausbrechen.

Ich liebe meine zwei Halunken, obwohl sie gleichaltrig sind, sind sie charakterlich völlig verschieden. Unser Kleiner, der Merlin ist ein grauer Miniesel mit einem Stockmaß von gerade mal 86 cm, Michel hingegen ist braun und hat ein Stockmaß von 102 cm. Ursprünglich hatten wir zwei Miniesel, die beiden waren zusammen aufgewachsen, (sogar Halbbrüder) und kamen mit 10 Monaten zu uns. Als wir sie kastrieren lassen wollten, stellte sich bei Merlins Bruder heraus, dass die Hoden innen lagen und so kam es zu einer ausführlichen Untersuchung in einer Klinik. Dort hat man leider festgestellt, dass der kleine Mann durch und durch verwurmt war (obwohl wir eine Wurmkur gemacht hatten). Wir haben monatelang um das Leben des kleinen Esels gekämpft, zusammen mit dem Tierarzt und der Tierklinik. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, als der Anruf aus der Tierklinik kam, dass Bobby abgeholt werden könne. Wie habe ich mich gefreut, doch als der Transporter auf dem Hof stand und der Kleine ausstieg, war ich ehrlich gesagt, entsetzt. Er war total abgemagert, er wirkte mit seinem Bruder verglichen, wie ein Esel von 40 Jahren. Es kam natürlich, so wie es kommen musste, am nächsten Morgen lag der Kleine in der Box und kam nicht mehr hoch. Unser Tierarzt kam natürlich sofort, warf einen Blick auf ihn und nahm mich beiseite. Nun war auch mir klar, warum er gestern nach Hause gekommen war. Er wollte bei uns in Ruhe sterben. Jetzt beim Schreiben habe ich wieder Tränen in den Augen, denn es tut immer weh, ein Tier auf diesem Wege begleiten zu müssen. Das Schöne an dieser Situation war, er war nicht allein, alle Familienmitglieder saßen bei ihm im Stall. Er lag ruhig und friedlich da, den Kopf auf meinem Schoß und ist dann sehr sanft weggegangen.

Und nun zum eigentlichen Thema zurück. Esel waren jahrzehntelang bei Pferdebesitzern verpönt. Bah, ein Esel, das ist doch nichts Edles, nicht wirklich was Schönes. So und ähnlich wurde auf Esel reagiert. Zudem regten und regen sich viele Menschen darüber auf, dass Esel sehr laut sind. Das kann ich bestätigen, diese rostige Blechtrompetenstimme, mit der das Futter eingefordert wird, ist laut. Ganz ehrlich? Das Geschrei hält sich absolut in Grenzen, wenn dann einmal am Tag die Stimmbänder gelockert werden, wen stört es? Tja, wenn es die Eselbesitzer dann auch richtig machen. Mittlerweile hat es sich tatsächlich rumgesprochen, dass ein Esel allein ein absolutes No Go ist, wenn schon, dann mindestens zwei. Und Esel und Pferd, Esel und Pony oder Esel und Ziegen – alles machbar, solange es zwei Esel sind. Leider gibt es immer noch viele Menschen, die sich vorher zu wenig über die Haltung der Esel informieren.

Ok, hier in Deutschland gibt es völlig andere Lebensbedingungen für die Klugen als z.B. in Osteuropa. Hier bei uns stehen Esel zu fast 90 % nur in Hobbyhaltung. Sie sind einfach da, verschönern uns den Tag, entschleunigen unser Leben, gehen mit uns spazieren, treiben allerhand Schabernack, kurz der Umgang mit Eseln ist «die Seele baumeln lassen».

In Osteuropa, aber auch im Süden Europas und in den afrikanischen Ländern sowieso, sind Esel zum einen Lastenträger und zum anderen dienen sie zur Fleischgewinnung. Auch bei uns in Deutschland setzte man Esel an beliebten Ausfliegszielen mit steilen Aufstiegen gerne für die Touristen ein. Zum Glück sieht man das kaum noch, denn «eigentlich» sollen diese lustigen Gesellen so ungefähr 30 % ihres Körpergewichtes tragen.

Heißt im Klartext, dicke, faule, träge Menschen haben in unserem Land nichts, aber auch rein gar nichts auf einem Esel verloren.

Unsere beiden Jungs verstehen sich ausgezeichnet mit den riesigen Kaltblütern. Manchmal denke ich, sie gehen davon aus, sie seien auch Pferde. Doch, wie schon anfangs erwähnt, sie sind klüger, sehr viel klüger. Und der Einstein unter ihnen, der wohnt hier bei uns. Jeder, der das Gegenteil behauptet, lügt.