Hohe Luftfeuchtigkeit - viele Parasiten

Es ist schon mehr als der halbe September vor bei. Erst jetzt habe ich wieder Zeit und Ruhe gefunden, meine Gedanken niederzuschreiben. Es ist verflixt viel geschehen in den letzten Wochen. Die Ereignisse überschlugen sich, mal im positiven, mal im negativen Sinne.

Wie heißt es im Rheinischen Grundgesetz so schön:

Ett iss wie ett iss un ett kütt wie ett kütt

Wie dem auch sei, egal was geschieht, ich finde immer Ruhe und Ausgeglichenheit bei den Tieren. Mal setze ich mich einfach auf die Bank zu den Hühnern, mal lass ich mich von dem frechen kleinen grauen Esel ärgern. Wohlgemerkt! Der Satz ist richtig so.

Die Charaktere aller unserer Tiere spiegeln sich in unserem demnächst erscheinenden Buch wider. Und gerade der kleine Graue, der Merlin, hat eine Menge zu erzählen. Ob wir Menschen da immer so gut wegkommen? Wir kennen unsere Pappenheimer ja bestens, doch damit ihr sie noch besser kennenlernt, hat Karin Kleine Niesse diese charakterstarken Viecher für euch in tollen Illustrationen eingefangen. 

Eigentlich wollte ich mal andere Tiere als Hühner vorstellen. Doch aktuell erreichen mich ganz viele Fragen. auf die häufigste und vermutlich auch lebenswichtige Frage möchte ich an dieser Stelle etwas näher eingehen:

Gerade in der letzten Zeit erreichen uns viele Hilferufe in Sachen Ungeziefer und Hühner. Das Thema war auch vorherrschend bei unserem letzten Treffen des Geflügelvereins.

Anmerkung: Ich hatte für Mitte September das Interview mit der Hühnerexpertin angekündigt, doch das ist auf unbestimmte Zeit verschoben, da auch bei ihr gerade krankheitsbedingt die Zeit für schöne Dinge fehlt. Doch versprochen: «Aufgeschoben, ist nicht aufgehoben!»

Hier im Rheinland hatten wir schon einen sehr speziellen Sommer. Woanders stand die Welt buchstäblich in Flammen. Hier herrschten moderate Temperaturen, viel Regen und mancherorts leider auch der berüchtigte Starkregen. Eine super Nebenerscheinung dieser «ausgefallenen Jahreszeit» ist natürlich, dass die Natur sich bestens erholt hat. Ich habe es in den letzten Jahren zum ersten Mal erlebt, dass Sträucher und Bäume derart gewachsen sind. Unser Bambus ist auf 6 Meter hochgeschossen. Und Rhizomen sprießen und sprießen. Leider, oder soll ich sagen, zum Glück, haben die Dinger in den Hühnergehegen keine Chance aufs Überleben. Solche unbekannten Dinger müssen selbstverständlich genau untersucht werden. Nach Abschluss der Untersuchung gibt es nur zwei Möglichkeiten für die tierischen Bewohner. Zum einen wird das Zeug, das da aus dem Boden kommt vertilgt, zum anderen bedarf es einer genaueren Untersuchung. Also wird gescharrt und gekratzt, was das Zeug hält. Überlebenschance für Bambus? Gleich Null!

So wie das feucht-warme Klima in der Flora hochwillkommen ist, so wenig ist es für unsere gefiederten Freunde gut. Jahrelang hatten wir alle hier keinerlei Probleme mit Milben oder Federlingen in den Geflügelställen. Klar, eine vernünftige Stallhygiene spielt auch eine große Rolle, doch sollte die nicht selbstverständlich sein? Es herrschen verschiedene Meinungen hinsichtlich Nützlingen und Schädlingen vor. Bei uns ist es so, alles, was unseren Tieren schadet oder was die Tiere nervt, sind Schädlinge. Die werden gnadenlos minimiert oder wenn möglich eliminiert. Basta, da gibt es keine Diskussion.

Übrigens, es gibt 50.000 Milbenarten - bei Mensch und Tier! Und man kann sie nicht ausrotten! Einen sterilen Stall gibt es nicht. vor allem nicht bei Hobbyhaltern.

Oft werden Tiere aus vielen verschiedenen Beständen gekauft, auf Märkten, aus privater Vermehrung oder von Züchtern. Und in jedem Bestand herrscht ein anderes Milieu, sind andere Bakterien etc. vorhanden. Mal sind die Tiere kerngesund, mal durch Infektionen vorbelastet. Wie beim Menschen ist das aktive und wache Immunsystem das A und O.

Ein wirklich alter Hase aus unserem Geflügelverein wird richtig sauer, wenn er mitkriegt, dass diese bunten, gemischten Rassen zusammen gehalten werden. Mit dem Argument: Wegen der vielen bunten Eier. Die alten und erfahrenen Züchter sagen: "Wollt ihr möglichst gesunde und vitale Tiere? Dann kauft eure Truppe bei einem einzigen seriösen Zücher. Da haben alle Tiere denselben Bakterienstamm, denselben Virenstamm und normalerweise passiert da gar nichts. Doch das ist auch wieder ein anderes Thema.

Eine natürliche und effiziente Maßnahme ist es, Kieselgur oder Urgesteinsmehl immer sehr großzügig in den Ställen zu verteilen. Nach der Reinigung der Sitzstangen und Kotbretter stäuben wir das großzügig über diese und auch ein paar Handvoll in die Luft. Dieser feinste Nebel setzt sich dann auch auf Stellen, die vorher nicht erreicht worden sind. Normalerweise ist das völlig ausreichend, in diesem Jahr anscheinend nicht.

Immer wieder wird uns von Milben berichtet... Böse, ganz böses Thema. Weil, die meisten sogenannten Milbenbefälle sind in den allerwenigsten Fällen auf die rote Vogelmilbe zurückzuführen, meist handelt es sich um Federlinge. Doch auch diese kleinen grauen Biester sind nicht nur lästig, sie können unseren Lieblingen auch großen Schaden zufügen. Wenn ihr tagsüber auf euren Hühner was krabbeln seht oder euch krabbelt etwas über Arme, Beine, Hände, dann ist mit Sicherheit ein Federling der Übeltäter.

Dann heißt es auch, schnell die Hühnchen untersuchen, denn unbehandelt vermehren sich diese Plagegeister derart, dass sie regelrechte Nester auf den Tieren bilden. Dann hilft nur noch Waschen, vorsichtiges Entfernen, Kokos- oder Waffenöl, eigentlich jedes Öl. Bei sehr starkem Befall kann auch dieser Schädling zum Mörder von gefiederten Freunden werden.

Weitaus gefährlicher ist die rote Vogelmilbe. Sie ist ein ekliger und meist unsichtbarer Gast. Leider für Geflügel oft ein tödlicher Gast. Sie saugt in der Nacht das Blut aus den wehrlosen Hühnern (und sonstigen Vögeln) und entkräftet sie so sehr, dass es zwangsläufig zum Tod kommt.

Tagsüber verstecken sie sich in Ritzen und Spalten, bauen dort ihre Nester und sorgen so dafür, dass sie nicht aussteren. Wer sie dann entdeckt, findet ein graues Tier, weil erst die Nahrung, das Blut, ihr zu dem Namen rote Vogelmilbe verhilft. Normalerweise sieht man sie nicht.

Diesen Biestern kann man das Garaus machen, indem man sie austrocknet. Daher auch hier der Tipp: «Kieselgut oder Urgesteinsmehl».

Übrigens kann man sie im Stall gut entdecken. Achtet auf rote oder graue Beläge, die nicht in den Stall gehören. Der Befall lässt sich am einfachsten feststellen, indem man z.B. ein totes Huhn in eine weiße Plastiktüte packt. Oder mit „Milbenfallen“ (weißes Klebeband) an den Sitzstangen. Man kann auch nachts ein weißes Tuch über den Käfig legen. Findet man am Morgen darauf graue bis schwärzliche oder rote Punkte, ist dies ein zuverlässiger Hinweis für einen Milbenbefall.

Wikipedia sagt hierzu: Die Schadwirkung der Roten Vogelmilbe besteht im Saugen von Blut, Auslösen von Juckreiz und Entzündungen und dem damit verbundenen Stress der befallenen Tiere. Küken und Jungvögel können durch die ständige Blutabnahme schon bei mäßigem Befall sterben. Auch bei brütenden Vögeln sind direkte Todesfälle möglich. Erkrankte Vögel kratzen sich ständig gereizt das Gefieder. An den Bissstellen kommt es zu Entzündungen und lang anhaltendem Juckreiz. Besonders gut sichtbar ist der Milbenbefall an den Beinen der Vögel. Im Extremfall ist die Haut hier stark angeschwollen, verkrustet und schuppig. Einzelne Hautpartien lösen sich nach und nach ab (Ende Zitat Wikipedia)

Spätestens jetzt sollte gehandelt werden. Wird der Befall viel zu spät entdeckt, hilft meistens nur noch die Chemiekeule. Dazu bitte unbedingt einen geflügelkundigen Tierarzt aufsuchen. Ich nenne hier mit voller Absicht keine Mittel, da eine inflationäre Anwendung sinnlos und schädlich ist. Und zur Prophylaxe schon mal gar nicht geeignet sind.

Fazit: Nicht jedes entdeckte Krabbeltier im Hühnerhaus ist eine rote Vogelmilbe.

Der Austausch in den sozialen Medien zum Thema Hühner und Schädlinge ist sehr gut. Wenn er zur Hysterie führt, eher kontraproduktiv. Daher mein Rat an alle: Ganz genau hinsehen, und erst dann, wenn wirklich der Parasit Vogelmilbe Einzug gehalten hat, mit schweren Geschützen auffahren.

Nun hoffe ich sehr, dass unsere Vera Spix, die seit Jahrzehnten mit Leib und Seele bei dem Federvieh ist, bald für das angekündigte Interview zur Verfügung steht.

Wenn ihr euch für alte Dinge in Sachen Hühnerhaltung/Hühnerzucht interessiert, empfehle ich euch einen Besuch für 2022 einzuplanen

Rheinisches Museum für Rassegeflügelkunde Werschtalstraße 27, 53804 Much 

dessen 1. Vorsitzende Vera Spix ist. 

Ob alte Brutmaschinen, Skulpturen, Drucke, Bilder, Urkunden, Medaillen oder Ehrenbänder aus vielen Jahrzehnten. Bei uns wird nichts vergessen, damit wir die Zukunft besser verstehen! Öffnungszeiten: jeden 2.Sonntag im Monat von Mai bis September von 10.00 – 16.00 Uhr

Ich wünsche euch allen ein ungezieferfreies schönes Wochenende

Eure Mary 

Rote Vogelmilbe (natürlich sehr stark vergrößert)

Typische Anzeichen für FEDERLINGE